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Die Negativzinsen treffen insbesondere deutsche Sparer mitten ins Mark. Meist viel Geld auf dem Konto aber kaum Rendite. Im Gegenteil: Oft droht die kalte Enteignung – und Sparern, die dieser entgehen wollen, haben faktisch nur eine Wahl.

Wer aktuell die Kapitalmarktzinsen in Deutschland verfolgt, kommt aus dem Staunen nicht mehr raus. Als würde es ihnen Spaß bereiten, fallen die Zinsen stetig weiter in die Tiefe. Im August verzeichnete die wichtige zehnjährige Bundesanleihe ein Rekordminus von 0,7 Prozent. Rendite, wo bist du?

Mehr noch: deutsche Anleihen über sämtliche Laufzeiten hinweg werfen mittlerweile nur noch negative „Rendite“ ab. Deutschland gehört damit zum erlesenen Club der Staaten, in dem man mit Schuldenmachen Geld verdienen kann. Da freut sich Vater Staat und nutzt natürlich die Gunst der Stunde – unlängst stockte der Bund die zehnjährige Anleihe um drei Milliarden Euro auf. Nie war es billiger!

Sparbuchzinsen – die kannst Du glatt vergessen

Leidtragende des ganzen Schauspiels sind die deutschen Sparer: Im internationalen Vergleich werden sie von der finanziellen Repression besonders rasiert. Selbst nicht ganz unschuldig, schließlich parken der deutsche Michel – und die Michelin – ihr Geld vornehmlich in sicheren Anlagen – ohne jegliche Chance auf Gewinn.


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Das Paradoxon dabei: Sparbücher sind hier weiterhin die Renner. Wer sein Geld auf dem Sparbuch parkt, bekommt maximal mickrige 0,01 Prozent Zinsen. Selbst Festgeld für zwölf Monate mit deutscher Einlagensicherung bringt inzwischen maximal 0,75 Prozent. Tagesgeldsparern geht es da – abgesehen von verlockenden Neukundenangeboten und zeitlich begrenzt – kaum besser

Inflation – schon gehört, aber gleich vergessen

Das alles scheint deutsche Sparer nicht zu stören. Gemäß dem Motto „Besser ein paar Zehntel als gar nichts“ wird in Sichteinlagen weiter munter angelegt. Dass Sparer dabei einem gewaltigen Irrtum unterliegen, das scheint offenbar nicht zu stören. Was in den Schaufenstern und Internetportalen angepriesen wird, sind lediglich nominale Renditen der Geldanlage. Die heimliche Entwertung – sprich die Inflation – findet keinerlei Erwähnung. Dabei ist beim Sparen stets die reale Rendite entscheidend. Und diese ist bei den allermeisten Angeboten – egal ob Sparbuch, Tagesgeld oder Festgeld – negativ. Sparer verlieren also real Geld, obwohl sie es anlegen.

Hilft alles nichts: Das Sparverhalten der Deutschen scheint einer ganz besonderen Logik zu folgen. Bringt die Geldanlage keine Rendite ein, stecken wir einfach noch mehr Geld hinein! Allein im ersten Quartal 2019 stiegen die Bestände an Bargeld und kurzfristigen Spareinlagen um weitere 39 Milliarden Euro. Fast 2,5 Billionen Euro schlummern derzeit auf risikoarmen Anlagekonten – Glückwunsch.

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Achtung Sparer – Draghi kommt im September

Spannend könnte die kommende EZB-Sitzung unter Leitung von noch-EZB-Chef Mario Draghi werden. Landet der smarte Römer hier gar seinen letzten großen Coup? Trotz stabilem Euro schlummern die Zinsen seit Jahren auf historisch niedrigem Niveau. Momentan liegt der Leitzins im Euroraum bei null Prozent. Der Strafzins, den Banken zahlen müssen, die überschüssige Liquidität bei der EZB parken, liegt bei minus 0,4 Prozent. Dies könnte sich bald ändern: Experten erwarten, dass die EZB auf ihrer nächsten Ratssitzung am 12. September ihre Geldpolitik weiter lockern wird – und so das Zinsniveau vermutlich abermals drücken.

Einziger Ausweg – umdenken und höheres Risiko eingehen

Um diesem Dilemma zu entkommen, bleibt uns Sparern im Grunde nur eine Alternative: Wir müssen mehr wagen und höhere Risiken eingehen – und etwa in Sachwerte wie Immobilien oder Aktien investieren. Das Gute daran: Es lohnt sich, wie ein Blick auf die Immobilienpreise und Indices der vergangenen Jahre zeigt. Denn fallende Zinsen sind bekanntlich der Haupttreiber für steigende Vermögenspreise. Besser und cleverer anlegen lautet also die Devise. Gerade jüngere Sparer werden sich endgültig vom Gedanken des risikolosen Vermögensaufbaus verabschieden müssen – Aktien, Fonds, ETF-Sparpläne und natürlich die eigene Immobile werden die Mittel der Wahl in Zukunft sein.


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Es höchste Zeit, dass die Deutschen ihr Sparverhalten überdenken. Und hierbei könnten die derzeit viel diskutierten Strafzinsen für Kleinsparer sogar ein wichtiger Gedankenanstoß sein: Endlich den Unterschied zwischen realen und nominalen Zinsen erkennen, und sich von wertvernichtenden Anlageformen verabschieden – auch wenn damit ein ungewisser Ausgang verbunden ist.

Negativzinsen – das gab es doch schon einmal!?
Negative Realzinsen sind beileibe keine Erfindung der letzten Jahre. In der Geschichte hat es immer wieder Phasen gegeben, in denen die Sparer in Deutschland real enteignet wurden. Die Realzinsen waren auch früher häufig negativ – und nur in wenigen Jahren sogar spürbar positiv. Der Grund: Zwar lagen in vergangenen Jahren die Zinsen teils deutlich höher, doch auch die Inflationsrate lag meist auf einem spürbar höheren Niveau. Früher war eben doch nicht alles besser…

One thought on “Realzinsen im Minus – jetzt müssen wir neu sparen!

  1. […] dem Girokonto gibt es aber auch weitere Konten. Beispielsweise für die Geldanlage mit jeweils unterschiedlichen Konditionen, Haltefristen und Risiken. Wer sparen und dennoch jederzeit Zugriff auf sein Geld haben möchte, […]

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