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Banken brauchen mehr Eigenkapital, um Managementfehler und sonstiges Unheil ausgleichen zu können. Der Steuerzahler soll sie nicht mehr retten müssen. So die Vorgaben für den mittlerweile allseits bekannten Stresstest. Und?

Am vergangenen Freitag war es wieder soweit. Die Ergebnisse des „erweiterten Stresstests“ für europäische Banken wurden kundgetan. Da dieser Test – durchgeführt vom „Committee of European Banking Supervisors“ `(CEBS) – Auskunft über die Lage europäischer Banken geben sollte, wurde er durchaus stark beachtet. Und wie zu vermuten, haben die Prüflinge sich hinterher wieder selbst gelobt. Man sei auf einem guten Weg…

Wirklich? So ganz wohl nicht, glaubt man der Wirtschaftsweisin Isabel Schnabel, da der Stresstest den größten Stress der Banker ignoriert hat: „Wesentliche Risikofaktoren wie die Niedrigzinsphase wurden ausgeblendet“, kritisiert die Ökonomin. Sie baut darauf, dass der „Druck der Märkte stärker ausfallen könnte als die der Aufseher“. Denn so lässig, wie die Banker es gerne hätten, sind die Ergebnisse nicht zu deuten. „Europäischen Banken drohen Kapitallücken bis zu 20 Milliarden Euro im Stressfall“, warnt gar Philipp Wackerbeck, Geschäftsführer von PWC Strategy. Der Finanzexperte rechnet damit, dass die EZB im Dezember einige Banken zu Kapitalerhöhungen auffordern wird.

Stress für Deutschland

Bei 51 Banken in Europa hat die Aufsicht geprüft, wie sie Schocks abfedern können. Getestet wurde etwa ein heftiger Absturz der Wirtschaft oder auch der Einbruch der Immobilienpreise.

Die bittere Botschaft für uns: Unter den zehn anfälligsten Banken finden sich die zwei großen deutschen Häuser, Deutsche Bank wie Commerzbank. Ein Grund wohl, warum beide gleich mal vorsorglich ihre Robustheit versichern: „Unsere Bilanz ist gesund“, betont Deutsche-Bank-Risikovorstand Stuart Lewis. Marcus Chromik, der Risikovorstand der Commerzbank, sagt: „Wir sind widerstandsfähig und stressresistent.“

Die deutschen Institute haben eher schwach abgeschnitten. Rühmliche Ausnahme ist die „Förderbank Nordrhein-Westfalen“, die auf Platz eins insgesamt landet, aber einen Sonderfall darstellt, ohne Risiko- und Kundengeschäft.

Außerdem ist positiv zu vermerken, dass die Kreditbücher der deutschen Konzerne solider sind als beim letzten Test und besser als im Rest Europas. Das heißt: Das Ausfallrisiko von Krediten ist geringer. Außerdem haben die deutschen Banken in der vergangenen beiden Jahren ihr Kapital erhöht.

Warum das schlechte Abschneiden?

Ein Grund ist im Prozedere zu suchen. Universalbanken werden im Stresstest tendenziell schlechter behandelt, da die Risiken einzelner Bereiche addiert werden. Und vor allem: Die Tester haben ein „Verhaltens-Risiko“ eingeführt, das misst, wie kriminelle Energie und mangelhafte Kontrolle einen Konzern in Verlegenheit stürzen können: Da sieht es schlecht aus für die Banken in Germany.

Tatsächlich aber liegt ein Problem solcher Stresstests darin, dass sie Vergangenheit fortschreiben, auch wenn jeder ahnt: Die nächste Katastrophe im Finanzsektor passiert an einem anderen Ort.

Damit gelangen wir zum eigentlichen Problem: Die deutschen Banken sind weniger profitabel als die europäische Konkurrenz. Und wo keine Gewinne sind, da bildet sich kein Eigenkapital. So einfach beziehungsweise so schwierig ist das. Die Deutsche Bank, die vorige Woche einen kümmerlichen Gewinn gemeldet hat, hat bereits härtere Sparanstrengungen angekündigt. Auch dies wird schwerlich genügen, solange der Nullzins den Kern des Geschäfts angreift: Geld einsammeln und zu höherem Zins verleihen. Das hat sich in Zeiten des Negativzins erledigt. Banken werden wohl bald radikaler agieren müssen.

Die Renditen der Banken liegen mit 6,5 Prozent im Schnitt weit unter dem Vorkrisenniveau, als 15 bis 20 Prozent erreicht wurden, manche gar von 25 Prozent geträumt haben. Heute ist mit Banken kein Staat zu machen, die Investoren haben längst die Lust an ihnen verloren, wie die Aktienkurse beweisen: Der Börsenwert von Europas Banken, gemessen am jeweiligen Vermögen in der Bilanz, hat sich von April 2015 bis Juli 2015 halbiert. Das ist der wahre Stress für die Leute in den Bankentürmen.

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