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Wenn alle nur noch elektrisch fahren

„In 20 bis 30 Jahren fahren wir alle elektrisch“, meint Daniel Hammerl, Chef von Tesla Motors Austria & Italy, überzeugt. Denn „der Siegeszug des E-Motors“ sei „jedenfalls schon alleine aufgrund der vielen Vorteile nicht aufzuhalten“.

Ein Elektromotor würde eine Million Kilometer halten, benötige kein Getriebe und bestehe im Großen und Ganzen nur aus zwei Teilen, begründete er seine Einschätzung. Das Ende des Verbrennungsmotors hingegen sei bereits absehbar.

Elektro überall

Ganz so drastisch sehen das deutsche Hersteller nicht, und setzen in ihren Entwicklungsabteilungen doch voll auf „Elektro“. Von Opel bis Audi, von VW bis Daimler, von Porsche bis BMW – alle stehen unter Strom. Man will man an der Elektrifizierung der Produktpaletten festhalten, obwohl man vermutlich noch über Jahre nur wenig Geld mit Elektroautos verdienen wird. „Wir müssen einfach einmal durch das Tal der Tränen“, sagt Stefan Juraschek, Leiter Entwicklung Elektroantriebe bei BMW treffend. Hauptproblem: Batteriekapazität und -kosten bei Elektroautos sind bis auf weiteres die große Herausforderung, die an der Wettbewerbsfähigkeit der E-Karossen nagen.

Glänzend bei den „Gelben“

Elektroautos und Hybrid-Pkw sind die eindeutigen Gewinner des neuen ADAC EcoTest: Weder Benziner noch Dieselautos haben es in der Auswertung des zuletzt erneut verschärften Umwelttests des Automobilclubs unter die besten fünf geschafft. Die führenden fünf Fahrzeuge im aktuellen Umweltranking des Clubs sind Elektroautos und Hybridautos sowie ein Erdgasfahrzeug. BMWs Stadt-Stromer i3 belegt mit vollen 100 Punkten den ersten Platz. Die Wertung setzt sich aus 50 Punkten in der Schadstoffbewertung sowie 50 Punkten in der Kategorie Verbrauch zusammen. Danach folgen das Hybridauto Toyota Prius 1.8 Hybrid Executive und das Elektroauto Nissan LEAF Acenta mit jeweils 94 Punkten. Die Ergebnisse sind ein Appell an die Hersteller…

Chinesen preschen vor

Dabei kommen die Signale lngst nicht nur von heimischen Lobbyisten – sondern von einem der größten Absatzmärkte für die deutsche Automobilindustrie: China will eine Elektroquote für Autoverkäufe schon ab 2018 einführen. Damit erhöht das Land, in dem 2015 mehr als 20 Millionen Autos verkauft wurden, den Druck auf die deutschen Autobauer.

Tesla bietet bereits seit 2012 Autos mit Langstrecken-Reichweite – von der Oberklasse-Limousine bis zum Stromer-SUV

Folge: Die ganze Automobilbranche steht derzeit vor einer gewaltigen Transformation. „Die Autoindustrie wird sich in den nächsten 5 bis 10 Jahren mehr verändern als in den letzten 50“, meint die Chefin von General Motors, Mary Barra. Die deutsche Autoindustrie muss sich also schleunigst verändern, will sie an den Weltmärkten weiter das große Rad drehen. Steueranreize für E-Autos reichen da längst nicht mehr, man muss das System als Ganzes umstellen. Das Smartphone könnte hier als gutes Beispiel dienen.

Elektroautos sind längst mehr als nur ein Verkehrsmittel der Zukunft

Auto Teil der Energieinfrastruktur

Wie einst das Smartphones, welches das klassische Telefon nicht nur abgelöst hat, sondern – mit ganz neuen Funktionen verknüpft – auch völlig neue Konsumenten,  Lebensstile, Technologien und Unternehmen hervorbrachte, könnten auch E-Autos eine Art von Evolutionsprozess in Gang setzen.

So könnte sich die Mobilitätsfunktion des Autos in einigen Jahren tatsächlich erweitern: Als Art mobiler Knotenpunkt in der Multimedia-Infrastruktur – Dank Digitalisierung und autonomem Fahren. Und zum Stromspeicher eines nachhaltigen Energiesystems – durch die Verbindung von Elektromobil und Digitalisierung. Mobilität und Energiewende also quasi in einem.

Dabei müssten sich im Alltag oft wenig bewege Fahrzeuge und Schwankungen in der Produktion von erneuerbaren Energien annähern und ausgleichen. Etwa in Form einer großen Anzahl von digital vernetzten Batterie, in mehr oder weniger kleinen wie großen  regionalen Netzen. Heutige Nachteile von Elektrofahrzeugen im Vergleich zu herkömmlichen Autos könnten so verschwinden – wenn das Auto schlicht Teil einer Energieinfrastruktur wird. Gewiss, ein Experiment, das zeit braucht.

Bis dahin haben Automobilingenieure und Politik eher irdisch-alltägliche Probleme zu lösen: Leichtere, leistungsstärkere und günstigere Batteriesysteme etwa – und eine flächendeckende effektive Infrastruktur für Ladestellen.

Auf dem Weg zur Elektro-Revolution will Vorreiter Tesla 2020 eine Million Elektro-Pkw pro Jahr bauen –  falls das E-Mobilitäts-Engagement etablierter Autobauer da nicht einen Strich durch die Rechnung macht.