Elektromobilität - heute und morgen

Mythen über Elektroautos gibt es viele. An ihnen scheiden sich Gegner wie Befürworter. Welche sind die Wichstigsten? Und wo steht die Elektromobilität 2019? Ein Fakten-Check ala VW.

Wohl wenige Trends polarisieren in dieser Art wie Elektrofahrzeuge. Wahre Petrolheads lehnen diese per se ab – klar. Sie halten den vermeintlichen Hype ums Strom-Fahren für grenzenlos übertrieben. Umweltbewusste hingegen beschwören die Stromer als Klimaretter. Sie halten die Elektromobilität künftig für unerlässlich. Und wo liegt die Wahrheit? Wie üblich irgendwo in der Mitte.

Klimaziele erreichen – geht das ohne E-Mobilität?

VW hat anlässlich seiner Elektro-Offensive mit dem Hoffnungsträge ID.3 wichtige Mythen der E-Mobilität gecheckt: Einige wurden widerlegt oder zu widerlegen versucht. Kann sich wahrhaftig keiner Elektrofahrzeuge leisten? Sind lange Reisen mit einem E-Auto im Alltag echt nicht möglich? Und sind die Stromer ein unausweichlicher Jobkiller für Autobauer und Co? Viele Fragen und Anliegen, die entscheidend sein werden für die Zukunft der Elektromobiliät in Deutschland. Dabei steht eines fest: Das Erreichen der EU-Klimaziele bleibt unausweichlich.

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♦ Elektroautos – kann sich der Normalbürger nicht leisten

„Attraktive Elektrofahrzeugen werden zunehmend erschwinglich“, meint VW. Attraktivität ist schließ­lich Geschmackssache. Aber: Der ADAC fand Ende 2018 im Gesamtkostenvergleich  bei Anschaffung, Kraftstoff, Dienst, Wartung, Versicherung und Co. heraus, dass einige Elekto-KFZs billiger sind als adäquate Fahrzeuge mit Verbrennermotor. Der VW-Hinweis auf staatliche Förderung durch Kaufprämie stimmt zwar, allerdings nur noch bis Ende 2020, anschließend wird der Umweltbonus wohl vermutlich eingestellt. Volkswagens ID.3 ist ein Elektroauto, das meist gleichviel kostest wie ein vergleichbarer Golf TDI. Das wird allerdings realistisch betrachtet frühestens Mitte 2020 auf der Straße fahren. Insgesamt sind bezahlbare E-Autos aktuell noch immer Mangelware.

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♦ Strommangel – es gibt viel zu wenig Ladestationen

„Die Anzahl der Stromladestellen wächst rasant. Schon heute gibt es mehr als 17.400 öffentliche Ladepunkte in Deutschland – und es werden täglich mehr“ – meint VW. Grundsätzlich richtig.  Dennoch sind es viel zu wenig um Elektromobilität salonfähig zu machen. Bereits 2013 hielt die EU in einer Stellungnahme 150.000 Ladestationen für notwendig, um die damals angestrebten eine Million E-Autos realisieren zu können. Sechs Jahre später kommt das „Verschlafen“ ans Licht. Hinzu kommt: Bei der öffentlichen Ladeinfrastruktur liegt nach wie vor einiges im Argen, wie Tests zu Ladestationen ergeben. Der Ausweg: Rund 70 Prozent aller Ladevorgänge finden zu Hause oder am Arbeitsplatz statt, womit das Tanken unterwegs im Alltag oft obsolet wird.

♦ Aufladen – dauert in der Realität viel zu lange

Man müsse ein E-Auto gar nicht so häufig schnell aufladen, wie man meint, sagt VW und verweist auf die Schnellladefähigkeit des ID.3. Dieser kann mit maximal 100 bis 125 Kilowatt Leistung geladen werden, das entspricht bei einer 30-minütigen Autobahnpause Strom für mindestens 260 km. Das ist derzeit aber noch weit über Standard und gilt auch nur an Hochgeschwindigkeitssäulen, die Mangelware sind. Geschäftsleute und Familien mit quängelden Kindern dürfte selbst diese Zeit auf den Magen schlagen. Generell hängt die Dauer entscheidend von der Ladeleistung des Autos, dem Kabel und der Stromquelle (Gleich- oder Wechselstrom) ab. Für den Hausgebrauch ist daher eine Wallbox dringend ratsam. Dennoch: VW behauptet zu Recht, dass die Entwicklung mit großen Schritten voranschreitet und der Umgang mit Elektroautos immer leichter wird.


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♦ E-Auto – nur für kurze Distanzen brauchbar

„Das Reichweiten-Problem ist längst gelöst“ meint VW. Eher übertrieben, denn die Elektroautos mit reisetauglicher Reichweite kommen meist von Tesla (unterstützt von eigenen Superchargern) – und die sind mit entsprechender Ausstattung nicht für jeden erschwinglich. Immerhin fahren inzwischen auch Modelle wie der Opel Ampera-e und der Hyundai Kona Elektro rund 500 Kilometer laut Werksangaben – doch auch die sind nicht gerade preisgünstig.

♦ Stromer – viel zu gefährlich im Alltag

VW sagt hier zurecht:“Elektroautos garantieren ein Höchstmaß an Sicherheit – so wie alle Fahrzeuge, die in Deutschland und Europa zugelassen werden.“ Die elektrischen Komponenten müssen eigensicher sein, sich also bei einem Defekt vom Stromfluss der Batterie abtrennen. So brachte auch ein ADAC-Crashtest mit dem VW e-Up keinen Sicherheitsunterschied zu konventionellen Fahrzeugen. Zwar sorgten Brände mit Tesla-Fahrzeugen schon mehrmals für Aufsehen, doch sind dies eher spektakuläre Einzelfälle. Auch eine Pannenhilfe ist grundsätzlich gefahrlos möglich, doch sollten Arbeiten an Hochvoltkomponenten unbedingt Fachleuten überlassen werden.


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♦ Klimaschutz – E-Mobile bringen nichts

„Elektroautos sind ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz. Im Vergleich zu Dieselfahrzeugen oder Benzinern verursachen sie deutlich weniger CO2. Das gilt selbst dann, wenn man die Produktion mit einberechnet, – beruhigt VW. Eher umstrittene Aussagen, denn die Diskussion über die CO2-Bilanz von E-Autos wird äußerst  kontrovers geführt. Fakt ist: Ein E-Auto trägt durch seine aufwendigere Produktion mit Batterie ein CO2-Defizit von Beginn an mit sich rum, das sich entsprechend der Effizienz und dem Strommix für den Antrieb verringert. Letzter hängt von politischen Entscheidungen bei der Energiewende in Deutschland ab. Immerhin geht Volkswagen voran. Ein Lebenszyklus-Vergleich beim Golf mit mehreren Antriebsarten ergab als CO2-Sieger den Elektro-Golf. Mit dem ID.3 will VW zudem erstmals ein Auto bilanziell komplett CO2-neutral produzieren. Der Alltag der Elektromobilität wirds zeigen.

♦ Stromnetz – schnell überlastet bei zu vielen E-Autos

„Seriöse Studien kommen zu dem Ergebnis, dass selbst Millionen zusätzlicher Elektroautos keine Auswirkungen auf das deutsche Stromnetz hätten“ so VW. Tatsächlich dürften E-Autos hier kein größeres Problem darstellen. Laut Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) wurden 2018 in ganz Deutschland rund 556,5 Terrawattstunden Strom verbraucht. Bei einem durchschnittlichen Stromverbrauch von 0,2 kWh pro Kilometer und einer durchschnittlichen Fahrzleistung von 14.000 Kilometern pro Jahr bräuchten eine Million E-Autos im Jahr rund 2,8 Terrawattstunden – das wären gerade mal 0,5 Prozent des Gesamtbedarfs. Laut Umweltministerium hätte eine vollständig elektrifizierte deutsche Pkw-Flotte von 45 Millionen Fahrzeugen einen Strombedarf von rund 90 Terawattstunden (TWh). Dies entspricht weniger als einem Sechstel der aktuellen Bruttostromerzeugung in Deutschland.


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♦ Elektroauto – Job-Killer der Zukunft

Laut VW ist der Fertigungsaufwand bei einem Elektroauto etwa 30 Prozent niedriger als bei einem Verbrenner, was auf lange Sicht Arbeitsplätze kosten könne. Umso wichtiger sei eine gute Marktposition. Volkswagen treibt die Transformation daher aktiv voran und schafft mit seiner E-Offensive langfristige Perspektiven für viele Tausend Mitarbeiter. Alles nicht von der Hand zu weisen. Einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) mit der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung und dem Bundesinstitut für Berufsbildung zufolge wird der Übergang zur Elektromobilität in Deutschland langfristig rund 114.000 Jobs kosten, 83.000 davon im Fahrzeugbau. Zugleich dürften fast 16.000 neue Jobs geschaffen werden, etwa im Bauwesen, bei Stromversorgern oder in Teilen des Dienstleistungsbereiches und des verarbeitenden Gewerbes. Ein Umdenken für deutsche Autobauer bleibt unausweichlich, sonst droht die Abkoppelung von wichtigen Märkten – allen voran China und USA.


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♦ Verkehrsteilnehmer – Elektromobilität bringt neue Gefahren

Da ist was dran – und deshalb gibt es Gegenmaßnahmen. So wird der VW ID.3 bis zu einem Tempo von etwa 30 km/h einen eigenen Sound erzeugen. Und nicht nur er: Seit dem 1. Juli 2019 müssen laut einer EU-Verordnung alle neuen Typen von Elektroautos und Hybridfahrzeugen über ein Acoustic Vehicle Alerting System (AVAS) verfügen, das bis 20 km/h und beim Rückwärtsfahren Fahrzeuggeräusche simuliert. Bei höheren Geschwindigkeiten reichen dann die Abrollgeräusche der Reifen. Einer der Vorreiter auf diesem Gebiet war übrigens Nissan mit seinem Konzept IMx zero-emission.


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♦ Freude am Fahren – E-Auto sind Spaßkiller

Hier viderspricht VW: „Elektroautos machen Spaß.  Wer das Play-Pedal durchdrückt, wird in die Sitze gepresst – fast wie im Flugzeug.“ Das mag übertreiben sein. Fakt ist aber: Elektromotoren verfügen vom Start an über das volle Drehmoment und deshalb über eine Beschleunigung, die Freude am Fahren bereitet. Das beweist nicht zuletzt Modelle wie Tesla Model S oder Porsche Taycan, einer der spurtstärksten Limousinen aktuell am Markt. Dazu verbessert die meist im Fahrzeugboden eingelassene Batterie dank tieferem Schwerpunkt die Straßenlage der Fahrzeuge. Ob einem der Motorsound oder die manuelle Schaltung bei der Elektromobilität fehlt, muss jeder für sich selbst entscheiden.

♦ Ressourcen und Elektromobilität – Rohstoffe sind Mangelware

Auch hier meint VW: „Rohstoffe sind ausreichend vorhanden. Mit den vorhandenen Lithium-Vorkommen ließen sich nach heutigem Stand der Technik bereits Batterien für Milliarden E-Autos produzieren.“ In der Tat fand das Öko-Institut e.V. Anfang 2019 heraus, dass angesichts der bekannten globalen Reserven für Lithium (16 Millionen Tonnen), Kobalt (7,1 Millionen Tonnen) und Nickel (74 Millionen Tonnen) keine Verknappung dieser Rohstoffe bis 2050 zu erwarten sei – lediglich zeitlich begrenzte Engpässe für einzelne Rohstoffe. Allerdings ist die Förderung oft mit Umweltproblemen und sozialen Verwerfungen durch schlechte  Arbeitsbedingungen vor Ort verbunden. Wichtig bei der Rohstofffrage sind auch die Weiterentwicklung der Batterietechnik und eine Erhöhung der Recyclingquote. Bis zu 97 Prozent seien hier möglich, meint VW.

Fazit: Der Fortschritt der Elektromobilität und die Entwicklung neuer E-Autos macht die Autowelt immer komplizierter. Sie werden auf lange Sicht – da sind sich die Experten einig – die gewohnten Benzin- und Dieselfahrzeuge ablösen. 2019 aber vieles ist vielen Menschen noch unklar, die Hemmschwelle zum Sprung ins Elektro-Zeitalter ist noch sehr hoch. Noch…

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