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Die Franzosen, ja sie sind schon ein verrücktes Volk. Fast Europameister geworden, ernähren Sie sich von Käse und Rotwein und bauten Autos, die sich aufpumpen wie Maikäfer kurz vor dem Abflug. Kennen Sie ihn noch: den Citroën XM?

Von Wolfgang Thomas Walter

Was ist das denn für ein Auto? Steht an der Ampel, knackst und bewegt sich auf und ab – und will als kantige Flunder so gar nicht in die heutige CW-Einheits-Welt der Autofreunde passen. Citroen XM nennt sich das, hat sogar einen CW-Wert von 0,30 und ist meist rund 20 Jahre alt. Ob der Freunde hat?

Zugegeben, in Auto-Deutschland recht wenige. Denn hier ist Prestige gefragt, PS-Mobile, die man bestenfalls schon am preußischen Markenlogo erkennt. Man ist ja wer …

Der Citroën XM auch! Er ist mein Geheimtipp für alle, denen ein Audi A6 zu piefig, ein BMW 5er zu böse und eine Mercedes E-Klasse zu seriös ist. Dieser XM hier ist von 1996. Das ist genau die Mitte der Bauzeit von 1989 bis 2000, da waren die schlimmsten elektronischen Macken schon beseitigt. Auf der analogen Tacho-Uhr stehen 174.000 km, die man ihm nicht ansieht. Beim Blick in den Kfz-Brief verstehe ich, warum: Erstbesitzer von 1925, nach zwei Jahren übernahm die Schwiegertochter, geboren 1953, weitere 4 Jahre später ich selbst, Baujahr 1968. Und immer kümmerte sich ein und derselbe Händler um das Wohl des mainstreamlosen Franzosen, letztmals vor 3.500 km.

Und der macht das recht gut: Die V6-Sänfte schnurrt wie am ersten Tag, sieht bis auf eine kleine Beule am hinteren rechten Kotflügel auch so aus. Ein bisschen schrullig halt. Erst recht, wenn sie sich vor dem Start aufplustert, die Hydropneumatik die Karosserie nach oben fährt. Ach ja, die Franzosen…

Citroën XM: Nie war er uns näher

Als er neu war, musste man ihn nicht mögen, den XM von Citroën. Heute fällt das leichter – speziell dann, wenn er eine der raren V6-Maschinen unter der Haube hat. Der hat sogar richtig Power – 190 PS, also bitte. Und als typisch französische Sänfte überzeugt er sowieso.

Und die Zeit heilt ja alle Wunden, selbst die großen und schlecht vernarbten. Gerade beginnen wir, den Citroën XM mit anderen Augen zu sehen. Als er neu war, nölten viele Fans, dass DS und CX einen weniger beliebigen Nachfolger verdient gehabt hätten. Einen mit wegweisendem Äußeren, radikalen Innenraum-Konzepten und einem genialen Wortspiel als Modellbezeichnung. Einen echten Citroën eben. Heute, über 25 Jahre nach seinem Debüt, ist der XM im Straßenbild seltener als mancher Klassiker aus den 70ern. Gepflegte Exemplare fallen auf. Die radikale Keilform, der abgefahrene Hüftschwung – vielleicht doch nicht so blass, dieser Typ. Und überhaupt: Er war ein echter Citroën, mit allem, was dazugehört – Hydropneumatik, schrägen Details und den vielen Zicken natürlich.

Vorgänger CX – wirklich legendärer?

Die Verarbeitung der frühen Jahrgänge war lustlos. Selbst härteste Citroën-Anhänger wollten sich nicht mehr mit rappelnden Kunststoffteilen und flackernder Elektrik abmühen. Dabei hatten die Entwickler vieles getan, um es möglichst vielen Käufern recht zu machen. Es gab keine Lupentachos oder walzenförmigen Bediensatelliten, an denen Schalter wie Baumpilze wucherten. Was aussah wie eine Heckklappe, war wirklich eine. Das Blech war verzinkt, und das Radio saß nicht da, wo Beifahrer den Aschenbecher vermuteten. Immerhin war die Diravi-Lenkung erhalten geblieben, die – aus Kurven kommend – dem Fahrer das Lenkrad aus der Hand zieht und auf zwölf Uhr stellt. Die Hydropneumatik hatten die Ingenieure zur „hydraktiven“ Federung aufgewertet. Dank dritter Federkugel an jeder Achse lässt das elektronisch geregelte System den XM vollautomatisch oder auf Wunsch gleiten oder unter Einsatz nur zweier Federkugeln straff liegen.

Endlich V6 – also bitte Citroën!

Und endlich gab es in der Citroën-Oberklasse einen Sechszylinder. Als Euro-V6 mit 2,7 Liter Hubraum war der Motor in den 70ern von Peugeot, Renault und Volvo entwickelt worden. Später wuchs er auf drei Liter, blieb aber ein eigenwilliges Geschöpf. Rau zeigt sich der quer eingebaute V6 mit 90-Grad-Winkel  – er hätte eigentlich mal ein V8 werden sollen – im kalten Zustand auch heute noch. Und so richtig drehen will er selbst nach Erreichen der Betriebstemperatur nicht recht. Kein moderner Turbogeselle halt…

Hektiker hassen ihn, Cruiser bleiben einfach im mittleren Drehzahlbereich und genießen komfortablen Durchzug. Denn den hat er. Und wenn die Kettenspanner halten, dann spult so ein V6 alter Schule auch mal seine 300.000 Kilometer und mehr ab. Er hat also noch viel vor sich…

Zeit für einen Citroën XM? Ja!

Womit wir wieder im Heute wären. Denn tatsächlich hat sich die Zeit auf die Seite des XM geschlagen: Wir merken es, wenn wir, geborgen in seinen dicken Sofa-Sesseln, über furchiges Altstadt-Pflaster huschen. Oder ihn einfach nur an der roten Ampel vor uns verwundert beobachten.

Zur französischen Lebensart à la Citroën gehören das spezielle Komfort-Erlebnis der Hydropneumatik, aber auch Schwächen im Detail und in der Verarbeitung. Der göttlichen DS und dem großen Vorbild CX mag der XM zwar – noch – nicht das Wasser reichen, aber näher an das klassische Erbe der Marke kommt kein anderer moderner Citroën heran – Tag für Tag.

Denken Sie mal über einen komplexen XM nach. Aber Achtung: Nur mit einer fähigen Fachwerkstatt sowie mit teuren Original-Ersatzteilen ist diesem Franzosen auf Dauer beizukommen. Vom Verbrauch als V6 ganz zu schweigen…

2 thoughts on “Citroën XM: Schrullige V6-Sänfte

  1. Leve-os em um estojo rigido. Show de bola!
    De cartao.

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