DAF 66 Kombi

Sommerferien, Urlaubszeit, es kommen die Holländer! Ein turbinenartiges Heulen rauscht als schwarzer Punkt am Horizont heran. Was ist denn das? Ein Schwarm Bienen auf Ecstasy? Eine Hexe auf ihrem Besen? Nein, ein DAF …

Näherkommend erkennt man ein Auto! Aber was für eines? Der kantige Kühlergrill, in den zwei runde Scheinwerfer integriert sind, führt zu der Vermutung, dass es sich dabei um einen Lada 1200 oder einen Lada Shiguly handeln muss. Falsch. Es handelt sich um einen DAF 66 SL Kombi. Die gegenüber dem Lada eleganteren Linien verdankt das Fahrzeug dem italienischem Designer Michelotti.

Von Jörg Zinsmeister

 

DAF 66 Kombi

Doch wer oder was ist eigentlich DAF?

Neben der nur noch in Insiderkreisen bekannten Marke „Spyker“ gab es noch weitere Autohersteller in den Niederlanden. Einer davon war Hub van Doorne, der in der 1928 in Eindhoven gegründeten Fabrik zunächst nur Reparaturaufträge an Schiffen ausführte.

Im Zuge der Weltwirtschaftskrise musste sich das Unternehmen nach neuen Tätigkeitsfeldern umschauen und fand diese im Bau von LKW-Anhängern. Zu dieser Zeit erhielt sie auch ihren endgültigen Namen „Van Doorne Aaanhangwagenfabriken N.V: Kurz DAF.

1949 kamen Lastwagen zum Produktionsportfolio hinzu, die schon damals mit modernen Frontlenker-Fahrerhäusern ausgestattet waren. Ende der Fünfziger als der Bedarf nach Fahrzeugen für den Individualverkehr stark anstieg, begann mit dem Daffodil 600 die Produktion von PKW.  1975 übernahm Volvo die Produktion von DAF.

Variomatic und 45 PS – zurück aus dem Geschichtsbuch auf die Straße

Hier wartet unser DAF 66. Unter der Haube werkt Hausmannskost in Form eines ein Vierzylinder-Benzinmotors aus dem Renault R8 mit 1,1 Liter Hubraum und 45 PS. Im Inneren entdeckt man eine seltsame Krücke an Stelle des gewohnten Schalthebels. Das Fehlen des Kupplungspedals weist das Autochen als Automatik-Fahrzeug aus. Richtig!

Die DAF-Pkw sind nämlich durch ihr revolutionäres Antriebskonzept, das Variomatic-Getriebe, bekannt geworden. Dies ist eine stufenlose Keilriemenautomatik, die ein ruckfreies Fahren mit der jeweils passenden Untersetzung zwischen Motor- und Hinterrad-Drehzahl automatisch nach Fahrtempo, Gaspedalstellung und Fahrwiderständen regelt. Die Regelung erfolgt recht einfach durch Fliehkräfte und Unterdruck. Dadurch sind DAF dafür bekannt, dass sie genauso schnell vorwärts wie rückwärtsfahren können. In den Achtziger erlitten sie deswegen in sogenannten „achteruitrijden“ – Rennen (Rückwärtsfahr-Rennen) einen schnellen Tod.

DAF als Young- und Oldtimer

Denn eines musste sich DAF bitter erkämpfen – ein Image als Young-/ Oldtimer. Schuld war die Werbung in den Anfangsjahren, die das Fahren im DAF als so einfach wie Kuchenbacken beschrieb. Viele Kriegsversehrte wussten dieses Auto besonders zu schätzen – keines war besser auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten. Herauskam ein Image als „Frauen“ – Auto oder als Fahrzeug für Alte und Gebrechliche. Niemand wollte sich damit sehen lassen – auch für DAF typische niedrige Kilometerstände konnten keine Käufer locken.

Fast schon ein Scheunenfund

Unser Exemplar wurde von einem Gerber mit nicht ausgeheiltem Beinschuss geordert. Handwerklich robust ging es im Innenraum zu – noch heute kündet der Zustand des Kofferraums davon. Im Handschuhfach liegt noch die Brille des Erstbesitzers, im Aschenbecher sein letzte gerauchte Kippe und auf dem Rücksitz eine Decke, die es vom DAF-Händler als Werbegeschenk gab. Seine Witwe hat ihn bis zu Letzt am Leben erhalten – selbst ein massiver Unfall, der die ganze rechte Seite in Mitleidenschaft zog, bedeutete nicht sein Aus. Nun steht eine größere Rund-um-Erneuerung an. Teile dafür gibt es über den DAF Club Deutschland oder Niederlande. Über gleiche Wege werden Ready to Drive und Restaurationsobjekte zu günstigen Kursen angeboten.

 

DAF 66 – die Historie

Der von Giovanni Michelotti entworfene Nachfolger des DAF 55 kam im Oktober 1972 auf den Markt. Neben der Limousine war er auch als Kombi sowie Coupé erhältlich. Vom Vorgänger unterschieden ihn eine neue Frontgestaltung und eine De-Dion-Achse statt einer Pendelachse als Hinterachse. Das Variomatic-Getriebe wurde beibehalten. Der DAF 66 hatte einen 1100-cm³-Renault-Motor und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 135 km/h. Er war das letzte als DAF erschienene Pkw-Modell, da Volvo Personvagnar 1975 die Pkw-Sparte übernahm. Von Oktober 1975 bis Dezember 1979 wurde das Modell als Volvo 66 weiterproduziert.

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