C4 Cactus

Alles begann im Mai 2017 in Griechenland irgendwo am Kite-Surf-Strand. Einen Citroen C4 namens Cactus erblickt dort plötzlich mein Auge – was bitte ist das? Vier Wochen und zwei Probefahrten später war der Kaufvertrag unterschrieben. Seither sind glatte vier Monate vergangen, bis der etwas andere Frankreich-Crossy mit perlmuttweiß schimmernden Metalliclack samt trendiger Chocolate-Airbumps aus dem spanischen Werk seinen Weg ins bayerisch-schwäbische Landsberg gefunden hat. Bravo Citroeeen!

Von Wolfgang Thomas Walter

 

Drei-Zylinder – mal was Neues

Eines gleich vorweg: Nein, es ist kein Diesel geworden! Obwohl dieser im Cactus sogar die Euro 6 Norm erfüllen würde und ordentliche vier Zylinder hat. Genauso sauber, aber mit einem Zylinder weniger muss der 1,2-Liter Benziner auskommen. Was sich nach wenig anhört, werkelt im Alltag erstaunlich fleißig und unauffällig. Eine gute Entscheidung war auch die Variante mit Turboaufladung. 110 PS und über 200 Newtonmeter Drehmoment reichen völlig, um gut voranzukommen – selbst auf deutschen Straßen. Klar, ein Renner ist der C4 Cactus nicht, den muss er als Zweitwagen im Dauerbetrieb aber auch nicht geben.

Citroen traut sich was – nicht nur außen!

Schon optisch eher was hermachen: Und hier haben die französischen Designer endlich mal was anderes auf die Räder gestellt. Man mag die chinesischen Schlitz-LEDs, die massiven Luftkissenplanken „Airbumps“ oder die Dachreling samt Haifischspoiler mögen oder hassen – interessant sind sie allemal. Und endlich gibt es mal Farben statt Grau-Grau-Einerlei.

Hoppla Innenraum – Karte gucken oder Klima regeln?

C4 Cactus innen

Wer sich bereits daran stört, der oder die kann im Innenraum gleich weiterfaseln. Klassische Rundinstrumente – Fehlanzeige! Drehzahlmesser – wozu? Und die Mittelkonsole – versteckt sich weitgehend hinter einem einsamen Sieben-Zoll-Touchscreen. Hierüber wird alles im Cactus gesteuert – von der Klimaanlage, über die Rückfahrkamera bis zu Navigation und Telefon. Nicht zeitgleich aber durchaus zügig: Ja, ja, man braucht schon ein paar Stunden, bis man die Franzosentechnik samt allen Funktionen wirklich verinnerlicht hat! Aber sind wir alt und schwer von Begriff? Nein!

C4 Cactus – Spezial-Diät rundum

Diät könnte überhaupt das Keyword beim Cactus sein. Die Türen werden per Schlaufen zugezogen, im Fond darf man am Ausstellfenster nach Luft schnappen, dem Panoramaglasdach fehlt ein Sonnenrollo, die Scheibenwischer werden direkt mit Wasser gefüttert – und: Den Tankdeckel über dem linken hinteren Radlauf darf an noch persönlich per Schlüssel öffnen – wie einst beim Fiat 130 vom Paps. Alles Probleme, die den Autoalltag verhageln? Nein!

C4 Cactus 2

Wenn man den Cactus erst mal einige hundert Kilometer gefahren ist, merkt man schnell: Einfacher zu sein heißt keineswegs immer verzichten zu müssen. Im Gegenteil: Es gibt sogar ein riesiges praktisches Handschuhfach, gute Ablagen und man schleppt täglich 200 Kilo weniger durch die Landschaft – das merkt man spätestens beim Beschleunigen.

5-Gang Getriebe – hat man das heute noch?

Ehrlich, das war neben dem Dreizylinder anfangs auch meine größte Sorge. Die ist allerdings mittlerweile verflogen. Denn die relativ lange Übersetzung der Handschaltung verträgt sich recht harmonisch mit dem Antrieb – und sogt an der Tankstelle für eine große Überraschung: 5,2 Liter sind bisher pro 100 Kilometer durch die Einspritzdüsen geschossen, trotz 17-Zöller und flotter Fahrweise. Apropos flott: Stolze 207 km/h rennt das Stachelmobil auf der Autobahn – erstaunlich, oder!? Gott sei Dank gibt’s den Turbo-Benziner erst gar nicht mit Automatik. Diese soll nämlich nicht so der Hit sein im Franzosen, erzählt man sich.

C4 Cactus Hand

Shine kann gut strahlen

Was man sich ebenfalls im Hochdach-C4 gönnen sollte, ist eine vernünftige Ausstattung. Die Version Shine – ohne die gibt’s übrigens das gefällige Perlmuttweiß erst gar nicht – sprengt zwar den Einstiegspreis bei weitem. Dafür hat man aber fast alles serienmäßig an Bord. Nur Lederpolster, Sitzheizung oder Sonnendach wollen noch extra bestellt werden – bei den moderaten Citroen-Preisen ist das aber kein größeres Problem. Schon eher der vollautomatische Parkassistent – ich parke lieber selber ein, wozu hat man schließlich Airbumps rundum?

Nach gut zwei Wochen muss ich sagen – du machst deine Sache echt gut Stacheltier!

 

Für viele bleibt jetzt eine Frage offen: In welche Schublade gehört der Cactus jetzt eigentlich? Die Bezeichnung C4 schmeckt nach Kompakt-Golf-Klasse mit SUV-Optik. Doch der etwas schräge 4,16 Meter kurze Franzose basiert auf der Kleinwagen-Plattform von PSA Peugeot Citroën. Ah, ein Mini-SUV also, das von Autotestern ja gerne mit Gesellen wie Captur, Mokka, Yeti oder Juke verglichen wird. Dabei ist er doch so schön anders!

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