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Charttechniker predigen seit Jahrzehnten über die Bedeutung der sogenannten 200-Tage-Linie. Doch auch für Privatanleger kann diese nützlich sein. Ein paar einfache Regeln beachtet, schon landet das eigene Depot im deutlichen Renditeplus.

Die 200-Tage-Linie gehört wohl zu den einfachsten und bekanntesten Hilfsmitteln der Charttechnik. Ursprünglich sollte dieser Indikators die oft wilden Kursschwankungen von Aktien oder Indizes an der Börse glätten, damit der große Trend besser sichtbar wird. Heute schlagen Computer beim Über- oder Unterschreiten Alerm.

200 Punkte – die simple Rechnung

In ihrer einfachen Form wird die 200-Tage-Linie ermittelt, indem für jeden Tag das arithmetische Mittel der Schlusskurse der vergangenen 200 Handelstage berechnet wird und anschließend die einzelnen Durchschnittskurse miteinander verbunden werden.

Diese Linie beschreibt also den gleitenden Durchschnitt der vergangenen 200 Börsentage. Damit läuft sie den Kursen quasi hinterher und gehört daher zur Gruppe der trendfolgenden Indikatoren. Ein langfristiges Signal also, was der Kurs so treibt und in Zukunft treiben könnte.

Wirklich? – The trend is your friend

Trendfolgende Indikatoren finden in der Charttechnik von jeher große Beachtung, schließlich lautet die wohl wichtigste Regel der technischen Analyse: „The trend is your friend.“ Anders formuliert: Die richtig großen Summen an der Börse werden nicht im täglichen Rein und Raus – modern Daytrading – verdient, sondern beim konsequenten Folgen und Reagieren auf langfristige Trends.

Bestechend einfach – aber warum eigentlich?

Doch was bedeutet das im Falle der 200-Tage-Linie genau? Die Faustregel lautet: Klettert der beobachtete Index oder die ausgewählte Aktie über den gleitenden Durchschnitt, der in diesem Fall als Widerstandslinie fungiert, dann heißt es kaufen. Anleger können davon ausgehen, dass der Kurs weiter steigt. Durchbricht hingegen der Kurs die 200-Tage-Linie, die in diesem Fall eine Unterstützungslinie darstellt, von oben nach unten, dann heißt es verkaufen. Der Kurs dürfte weiter fallen.

Viele private Anleger dürften sich nun fragen, warum man ausgerechnet den gleitenden Durchschnitt der vergangenen 200 Tage beobachtet – und nicht etwa eine xxx-Tage-Linie. Simple Antwort: In der Rückschau hat sich die 200-Tage-Linie als besonders valider Indikator erwiesen.

Aber Achtung – Gefahr von Fehlsignalen

Weil sie selbst fundamental ausgerichteten Börsianern bekannt ist, hat diese 200-Tage-Linie allein schon psychologisch eine enorm große Wirkung. Zudem besticht sie im Gegensatz zu vielen anderen technischen Hilfsmitteln durch ihre schiere Einfachheit.

Diesen Vorteilen stehen aber auch zahlreiche Nachteile gegenüber: Die Gefahr von Fehlsignalen etwa ist bei dieser Strategie nicht zu verachten. Denn oft greift sie einfach zu kurz. So überwinden die Charts von DAX und Co. die 200-Tage-Linie nicht selten nur kurz, um dann wieder merklich Richtung Süden zu wandern.

Transaktionskosten nicht vergessen
2010 hatte der DAX etwa im Mai, Juli und August die 200-Tage-Linie kurzfristig von oben nach unten durchbrochen – nur um sie wenige Tage später wieder zurückzuerobern. Anleger, die sich strikt an der 200-Tage-Linie als Signalgeber für Kaufen oder Verkaufen orientiert hätten, hätten mit dieser Strategie somit viel Geld verloren.

Darüber hinaus ist diese Strategie äußerst aufwendig. So kann es durchaus sein, dass Investoren in einem schwankungsfreudigen Jahr im Schnitt einmal pro Monat zum Handeln gezwungen sind. Bei jedem Verkauf oder Kauf fallen zudem je nach Broker teils hohe Transaktionskosten an, die den Gewinn wiederum schmälern.

Hausse – etwas mehr Raffinesse bitte!

Viele technische Analysten wenden daher eine verfeinerte, raffiniertere Variante der oben erläuterten Strategie an. Einfach nur zu kaufen oder verkaufen je nachdem, ob ein Kurs ober- oder unterhalb der 200-Tage-Linie notiert, ist ihnen zu pauschal. Auch die Richtung der Linie muss beachtet werden, um einen klaren Trend auszumachen.

Steigt demnach die 200-Tage-Linie nach einer Baisse wieder an und der Kurs notiert darüber, dann ist dies ein klares Kaufsignal. Dies war rückblickend etwa 1999, 2003 und 2009 der Fall. Die lange Hausse zwischen 2003 und 2008 hätten Investoren somit in voller Gänze mitgenommen.

Baisse – Gewinne auch mit fallenden Kursen

Dreht die 200-Tage-Linie hingegen nach einer Hausse wieder nach unten und der Kurs notiert darunter, dann heißt es verkaufen. Anleger, die dieser Regel gefolgt wären, wären Ende 2000 und Anfang 2008 aus dem Markt ausgestiegen. Damit hätten sie nicht nur die schlimmsten Kurseinbrüche nach dem Platzen der Dotcom-Blase und nach Ausbruch der Finanzkrise vermieden. Mutige Investoren hätten sogar Gewinne machen können, indem sie über Zertifikate oder andere Derivate auf einen fallenden Markt gewettet hätten.

200 plus X – es gibt noch andere Indikatoren

Die Orientierung an der 200-Tage-Linie gemäß dieser raffinierteren Variante bietet Privatanlegern somit ein einfaches Hilfsmittel, um einerseits zu überprüfen, ob sie nicht einen wichtigen Trend beziehungsweise eine wichtige Trendwende verpassen. Zugleich bietet ihnen diese Strategie klare Regeln für den Ein- und Ausstieg. Sich jedoch nur am gleitenden Durchschnitt der 200-Tage-Linie zu orientieren, ist beileibe zu eindimensional. Dafür ist sie einfach zu träge. Investoren verpassen oft viel an Performance, wenn sie sich ausschließlich nach ihr richten. Technische Analysten berücksichtigen daher in ihren Anlageempfehlungen stets ein ganzes Bündel von Indikatoren.

Große Markttrends statt Seitwärts Märkte

Als Anlagestrategie für Privatinvestoren empfiehlt sich die reine 200-Tage-Methode vor allem bei ausgeprägten Markttrends. In einer volatilen Seitwärtsbewegung ist hingegen die Gefahr von Fehlsignalen erhöht und die Kosten für Käufe und Verkäufe fressen die Gewinne meist wieder auf.

 

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