Porsche GT3

Von einem gewöhnlichen Alltags-Boxster aus dem Jahr 2006 in den 911 GT3 umzusteigen, das bedarf gleich mehrerer Klimmzüge – hier herrschen nämlich andere Welten. Mit 500 PS und 320 km/h Max-Speed proben die Zuffenhausener den Aufstand. Ein Tag im Über-Porsche.

Man kann nicht ansatzweise ausdrücken, wozu dieser Sportwagen imstande ist. In kaum mehr als drei Sekunden erreicht man Tempo 100. Familien-Combis verschwinden schneller im Rückspiegel als die „Ex“ nach dem Streit – und der Sound? Nein, ein GT3 ist nicht wirklich ein Leisetreter, darf er auch nicht. Ist das eigentlich noch ein Straßenwagen?

Der 6-er macht was auf die Ohren

Ja! Denn das ohrenbetäubende Gekreische, das der Vier-Liter-Boxer unterhalb seines Heckflügels erzeugt, begeistert selbst Normalos auf der Landstraße. Die zwei Endrohre produzieren schon früh morgens standesgemäßen Sound – und dass selbst ohne Klappenauspuff-Taste. Diese aber ist durchaus empfehlenswert. Weckt sie nicht nur den Nachbarn aus dem Sonntagsschlaf, sie sorgt bei Bedarf auch für erhöhtes Drehmoment beim Zwischensprint im Teillastbereich.

Launch Control – wozu?

Fahrer von schicken SUVs werden nun sagen – Launch-Control, brauch ich nicht. Stimmt! Doch wer 500 PS alleine über die Heck-Gummis auf die Straße bringen möchte, der könnte schnell an seine Grenzen stoßen, also:

Bremse treten, Gaspedal bis zum Bodenblech drücken, Drehzahlnadel bewundern und los geht’s!

Das bringt nicht nur Spaß! Nein, im nu verschwimmt die Umgebung im Tunnelblick – und der Puls spielt Fitnessstudio. Ist erst die PDK-Sport-Taste gedrückt, nordet sich die Drehzahlnadel so richtig ein. Startblock zum Mittag – hier träumt keiner mehr von langen Urlaubsfahrten in die Toskana.

Porsche GT3 total

Koffer für den Kurztrip? Aber sicher!

Doch gemach! Wer jetzt denkt, ein GT3 ist so gar nichts zum Reisen, der irrt. Denn in seiner Basisversion ohne Käfig und Karbonschalen bietet der Schwaben-Racer vorne durchaus Raum fürs Gepäck. Ok, Rollkoffer für die Übersee-Reise lassen sich nicht gerade hineinwuchten, doch Platz für die Mitbringsel vom Wochenend-Trip gibt es hier allemal.

Unnützes Spielzeug für kleine und große Jungs? Ja, aber es macht verdammt viel Laune!

Geld? Na ja …

Was kostet so etwas, werden manche nun fragen. Deutlich über 150.000 Euro hat man mir gesagt. Der Porsche 911 GT3 sei schließlich eine richtige Fahrmaschine – mit 25 PS mehr, zusätzlichen 20 Newtonmeter Drehmoment und immerhin 0,2 Litern zusätzlichem Hubraum. Und Karbon-Karosserie, 155 Kilogramm Abtrieb am Heckflügel sowie die Hinterachs-Lenkung hätten eben ihren Preis. Aha ja, stimmt eigentlich!

Namensfetter Walter – Röhrl entwarnt

Nachmittags geht’s zur Legende. Walter Röhrl – auch der „Lange“ genannt –  beschwichtigt denn gleich den Umgang mit seinem 500 PS-Monster. „Ich lasse immer alle Helfersysteme an, dann weiß ich, ob ich gut fahre, oder, wenn ein Licht angeht, dass ich schlecht fahre“. Ok!? Dass er am liebsten den ebenfalls erhältlichen Sechsgang-Handschalter fährt, verrät der langjährige Porsche-Versuchsfahrer und vierfacher Rallye Monte Carlo-Sieger erst später.

Der Kreis der erlesenen GT3-Kundschaft bevorzugt indes meist das Siebengang-Doppelkupplungs-Getriebe, was angesichts der perfekten Schaltvorgänge im Milli-Sekunden-Bereich nicht wirklich verwundert. Die „Automatik“ des Zuffenhauseners erkennt nun einfach Mal den perfekten Schaltpunkt, der Pilot muss nur die erstaunlich direkte Lenkung zum richtigen Zeitpunkt bedienen – und natürlich die Geschwindigkeit im Auge behalten. Als „Erstling“ allerdings ist beides leichter geschrieben als getan!

3,4 Sekunden auf Tempo 100 – nicht wirklich weit entfernt von der Formel 1!

Weitere 7,6 Sekunden vergehen, bis man im GT3 bei Tempo 200 die meisten Audis auf der Autobahn abgehängt hat. Und bei 320 Sachen Top-Speed frägt eh keiner mehr nach …

Man kommt auch wieder runter

So sehr Geschwindigkeit berauscht, wie sieht es in punkto Verzögerung beim 911 GT3 eigentlich aus?  Ehrlich, die 41 Zentimeter breiten Keramik-Bremsen sorgen für brachiale Fliehkräft – Magengrummeln inklusive: „Wenn der Kunde schon wie eine Rakete nach vorn schießen möchte, dann kann er auch wie eine Raumkapsel am Boden landen“ – auch hier hat Röhrl schnell eine Antwort parat.

Porsche GT3 Flügel

Turbo – wozu?

Bleibt die Frage: Turbo oder nicht Turbo. Im Fall GT3 lautet die Antwort vorerst klar – lieber nicht! Denn wozu auch? Bessere Leistungswerte und mehr Fahrspaß bietet kaum ein serientauglicher Sportwagen – auch wenn diese Rakete lediglich mit einem 65 – oder auf Wunsch 90 Liter – großen Tank im Alltag auskommen muss. Letzterer ist allerdings dringend zu empfehlen: Denn was der Boxer-Saugmotor des 911 GT3 heute so weggeschluckt hat, das bleibt lieber sein Geheimnis.

 

Ein Tag mit dem letzten Mohikaner seiner Art? Vielleicht, abers schön war es allemal!

 

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